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Der ganz normale Wahnsinn....

Der ganz normale Wahnsinn....

von Daniel Plaschg

 

Lange schon habe ich mich in das Ungarische Meer verliebt. Im Schlepptau der Eltern stand ich mit zarten 12 Jahren schon das erste mal am Ufer dieses Giganten von einem Natursee. Nur mit normaler Grund- und einer Matchrute bewaffnet machte ich dort Jagd auf alles was Flossen hat und glaubt mir davon gibt es nicht wenig. ;-) Aale, Weissfische in allen Variationen, Zander und gelegentlich auch mal ein kleinerer Karpfen waren meine Beute. Jede freie Minute kroch ich in all den Häfen und Buchten umher. Es war Abenteuer pur, gerne denke ich noch an die Zeit zurück…


Seit mir der erste Boilie in die Hände gefallen ist habe ich den Gedanken gehegt zurückzukehren und mir dort eines, der definitv vorhanden Riesensaugschweine, zu holen. Gabor, ein pensionierter Berufsfischer den ich als Kind kennengelernt habe hatte mir damals schon Fotos von Karpfen gezeigt die heute noch jede Dimension sprengen und mi r unweigerlich den Sabber gaaanz langsam triefen lassen. Da waren Sie zuhause… 40kg und mehr natürlich abgwachsener Fische hat dieser See schon hervorgebracht…. Man munkelt ja, dass sich einige sehr bekannte Paylakes damit berreichern. ;-)
Nun ja. Hört sich alles schön und gut an wenn da mal nicht die echt enorme Wasserfläche von 700.000 Hektar (in Worten: siebenhundertausend) wäre. Das erstaunliche ist, das es wahrscheinlich keinen qm gibt wo für Cyprinoiden nichts zu holen wäre da die tiefste Stelle des Sees läppische 11m beträgt. Durschnitt ist so um die 2m sag ich mal. Alles voll mit Bachflohkrebsen, Würmern, Larven Muscheln etc. Ein wahres Paradies für Karpfen und ein Umstand der es für Angler nicht gerade einfacher macht.
2011 sollte es soweit sein. Endlich hatte ich einen geisteskranken Gefunden der mit mir sowas durchziehen würde. Erich aus dem Get the Big One-Team war sofort Feuer und Flamme für das Vorhaben, das wir bei einer gemütlichen Session bei -13 Grad ohne Zeltheizung Anfang Februar an einem Steirischen Fluss ausgeheckt hatten. So nebenbei, gefangen haben wir natürlich auch einen. Scheiss auf Schönwetterangeln die Saison ist nie vorbei! ;-)

ganznormalerwahnsinn 2


Das Eis war noch dick am Balaton also wurde noch eine Schottergrube in der Nähe beackert der wir in den saukalten Nächten ein paar wunderschöne Fische entlocken konnten. YES!

Als wir mithilfe von Webcams am Meer endlich Wasser statt Eis erblickten gab es kein halten mehr. 2 Nächte hatten wir Zeit – Auf geht’s! Planlos ging die Reise los. Unten angekommen wurden mal die Lizenzen besorgt und danach ging es ans Platz suchen. Das nächste Problem: So ziemlich alles an halbwegs human befischbarem Ufer ist in in privater Hand. Der Rest sind Sumpflandschaften mit zig Meter breiten Schilfgürteln. Eine endlose Sucherei im tiefsten Gestrüpp und eigentlich unbefahrbaren Strassen begann. Ein großer Dank an „Flocki“, Erichs weißer VW Bus, er möge es uns verzeihen. ;-) Dezent degeneriert und an unserem mentalen Verstand zweifelnd suchten wir ein Strandbad auf an dem einige Ungarische Kollegen mit Futterspirale, 3 Haken Paternoster-system und Bummerl ausgerüstet ihr Glück versuchten. Yeahh Oldschool eben! Scheiss drauf, da bleiben wir! Ihr hättet die Gesichter der Puszta-Kollegen sehen sollen als wir mit dem ankarren des ganzen Tackles begannen. ;-) Als wir Ihnen verklickerten das wir das Futter, mit dem die Herrschaften zusammen wahrscheinlich das ganze Jahr fischen, jetzt da draußen in den endlosen Weiten versenken und jeden Fisch NUR fotografieren und wieder releasen ,hat der letzte aufgegeben daran zu denken er habe es mit normalen Menschen zu tun. Das Camp wurde stilgerecht mitten auf einem Beachvolleballplatz errichtet nachdem uns einen nette Dame hingewiesen hatte das am darauffolgenden Morgen Rasen gemäht wird. Sandstrandfeeling pur bei 28 Grad im Schatten! LOL

Mittels Echo wurde anschließend das Ungetüm unter die Lupe genommen. Zaaach! Nach ca. 300m begann es mal vernünftig „tief“ zu werden. Eine Stabboje wurde versenkt und ca. 40kg Futter fanden ihren Weg ins Wasser. 2 Ruten wurden in Ufernähe auf 1,20m platziert. Fazit: 3 Fische bis ca. 4kg einen Sonnenbrand und ein paar Erfahrungen reicher traten wir nach 2 feuchtfröhlichen Nächten Sonntags wieder die Heimreise an. Wir waren zufrieden.

Am Masterplan wurde in den nächsten Wochen munter mithilfe unserer kranken Gehirne weitergeschmiedet. 2 Wochen waren nun vergangen und 6 Tage Urlaub standen vor uns. Wir wollten einen anderen Teil des Sees erkunden und fuhren bis an den Rand vollgepackt mit ca. 300kg Futter voller Enthusiasmus Richtung Ungarischer Grenze. Doch das dies der Auftakt zur wohl extremsten Session die ich in meiner Anglerkarriere erlebt habe wird hat noch keiner von uns geahnt…..

Da standen wir nun wieder. 20km weiter als beim letzten und der Wind drückte ans eigene Ufer und bissig in die Fresse. Keine Spur mehr vom Sommer-Sonne Sandstrandflair vor 2 Wochen. Es war bewölkt, 15 Grad und jede Sekunde schien der Regen loszugehen. Perfektes Anglerwetter!

Wieder entschieden wir uns für eine Privates Strandbad das wir nach langer Sucherei ausfindig machen konnten. Ein paar nette Ungarn versicherten uns das wir hier Problemlos unserer Neigung nachgehen könnten. Voller Motivation wurde der ganze Krempel mithilfe steirischer Muskelkraft und einem Trolly an den Platz gebracht. Die Begebenheiten des Sees waren noch eine Spur verschärfter als das letzte mal. Seeehr seicht am Ufer und erst nach 200m begann es langsam tiefer zu werden. Laut GPS lag meine weiteste Rute auf 580m… Gefüttert wurden ca. 40kg Futter sehr breit verteilt. Alles war angerichtet für einen entspannten Urlaub vor einer überwältigenden Kulisse. Bis zum Horizont nur Wasser und Wellengang wie am Mittelmeer. Fuck the World – go fishing!

Am darauffolgenden Tag nahm das Unheil langsam seinen Lauf. Sehr zeitig in der früh wurden wir von einer Horde Arbeitern mit Motorsensen und Rasenmäher bewaffnet unsanft geweckt, die daran waren das Strandbad für die Saison vorzubereiten. Naja wenns weiter nichts ist….. Vollrun! YESS! Weit gefehlt! Ein netter ungarischer Kollege begann gerade damit seinen Benzinmotor mit meiner geflochtenen Vollzuspulen. Spule zu und zack, weg waren die 600m. Ganz geil so! Fahr zur Hölle mit meiner Schnur dachte ich mir. Irgendwie hatten wir ein ungutes Gefühl im Bauch… Als uns zum Mittagessen dann der örtliche Bürgermeister besuchte und uns klarmachte das „fishing over“ ist war alles klar. Ruten rein, was sich auf knapp 600m pro Stk. Als gar nicht so einfach erwies ca. 3 Stunden abbauen und Bus vollladen, ging die Reise weiter. Planlos fuhren wir das Ufer entlang immer Ausschau haltend auf einen geeigneten Platz. Nach 40km fahrt stach uns eine riesige Bucht ins Auge. Der Wind drückte sehr stark rein und das Wasser war viel klarer als bei den anderen beiden Teilen des Sees die wir schon kannten. Am Ufer alles voll mit Dreikantermuscheln und Bachflohkrebsen. Das roch definitiv nach Fisch hier! Am Rande eines Waldes fanden wir dann auch noch einen perfekten Platz. Ok, alles wieder ausladen und rein mit dem Boot. Der Wind wurde stärker und der Wellengang war EXTREM! Ohne zu übertreiben schätze ich das die Dinger über einen Meter hatten. Ich habe unter Todesangst 2 Ruten auf ca. 250m ausgelegt und wieder volle Kanone angefüttert. Beim reinfahren merkte ich das jedesmal wenn eine Welle unterm Boot durchrauschte ich durch die Sogwirkung wieder einige Meter zurückversetzt wurde. Und das im 5. Gang! Das war schon wirklich starker Tobak! Anschließend wurde das Camp neu aufgebaut und nachdem endlich alles fertig war setzten wir uns mal u

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m ein kühles Blondes zu genießen. Es war einfach magisch. Wir waren uns sicher das hier was gehen müsste hatten wir doch noch einige Tage Zeit….

Ein halbes Bier später fuhr hinter uns ein weißer Geländewagen vor. 2 Uniformierte stiegen aus und mit den Worten „Passport please“ wurden wir begrüsst. Nach langem hin und her und halbdeu

tsch halbenglisch hebräisch ach was weis ich noch alles machten Sie uns klar dass wir hier nicht angeln dürfen. Das stand in einem der 30 Absätze auf Ungarisch auf der Fischerkarte. AMOK war mein erster Gedanke! Das kanns nicht sein! Es half alles nichts. Wir müssen uns verpissen. Die Stimmung war am Tiefpunkt.

In Rekordzeit wurde der Bus zum 2.ten mal an einem Tag vollgeladen und ein neuer Platz gesucht, das konnten wir mittlerweile schon richtig gut! Auf zu einem Strandbad weitere 10km entfernt. Nachdem uns mehrere Anrainer versicherten dass wir hier sicher angeln und campen dürften wurde nochmal innerhalb von wenigen Stunden die übliche Prozedur zelebriert. Loten, Füttern wie ein Irrer, auslegen, Bier trinken. Wir waren einfach nur froh mal sitzen zu können und verdauten den ganzen Tag bei einigen Bierchen. Schnell kamen wir mit ein paar Ungarn die auch dort fischten ins Gespräch. Ungläubig wurde das ganze Zeugs bestaunt und Kopfschüttelnd standen Sie da was wir hier für einen Aufwand betrieben. Einer von Ihnen meinte dann das er ein paar Kollegen von ihm am nächsten Morgen kommen würden und auch mit „Bouli“ fischen würden. Diese lustigen Gesellen kamen dann tatsächlich in aller früh daher und begannen ihre Ruten rauszufahren. Ganz locker lässig über meine Ruten drüber auf einige 100m raus. Da draußen würden Sie füttern und das wär ihr Platz meinten Sie. Ich will gar nicht näher darauf eingehen was wir in dem Moment am liebsten gemacht hätten. Es reicht. Aus vorbei! Da sollten auch die größten Moralapostel verstehen das wir einen dezenten Abgang Richtung Strandbar machten um uns ein paar „Sör“ reinzukippen. Wir gingen zu unserer Hauptbeschäftigung der letzten Tage nämlich dem einpacken über und fuhren nach Hause.

Kurz nach Ankunft in der Wohnung mit einer Nebenhöhlenentzündung die ich aus Ungarn mitgenommen habe und schreibe diese Zeilen. Ich habe zugebenerweise die Schnauze (und die Nebenhöhlen) voll nach den ganzen Ereignissen. Doch wurden die ganzen Strapazen indirekt belohnt. Wir freundeten uns mit ein paar jüngeren Ungarn an die ein privates Grundstück am See besitzen und die uns einluden wann immer wir wollen bei Ihnen zu angeln. Sie angeln selbst dort und Sie konnten schon einige wirklich sehr schöner Karpfen fangen…..

WIR KOMMEN WIEDER!

Mal sehen wann wir das nächste mal die Zeit finden um vielleicht doch einen der dickeren Seebewohner zu fangen… Ich lass es euch auf Fälle wissen.

Die restliche Zeit bis August habe ich nun zig Nächte an meinem Hausgewässer verbracht in der Hoffnung einen der fetten Saugschweine die es dort gibt zu fangen. „Seeeeeeeehr zach is es“ wie ich immer zu sagen pflege. Aufgrund des extra genialen Wetters haben die Fische definitv nicht abgelaicht und jeder der das schon mal erlebt hat weiß wie gut die Fische dann drauf sind…. Aber man munkelt schon hinter den sieben Bergen das dieser fertige Typ der jede Nacht an den Ufern dieses Sees sitzt und Tag ein Tag aus alles in der Nacht auf und in der früh wieder abbaut, daß diese arme ja manisch Karpfenverrückte Person die jeden Tag Unmengen von den komischen Runden Dingern die so abscheulich stinken im See einfach versenkt doch angeblich fett zugeschlagen haben soll……MUAHAHAHAH! Aber das ist eine andere Geschichte…. ;-)

In diesem Sinne – Fuck the world go fishing! Hauptsache die Schnur ist nass!

Daniel Plaschg aka dplaschg

 

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