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Boilies – Ihre Arbeit unter Wasser

Boilies – Ihre Arbeit unter Wasser

Es ist die kalte öde Jahreszeit ... Winter! Die Seen und Baggerlöcher in unserer Gegend sind mit Eis bedeckt, die Landschaft weiss von Schnee. Es ist Mitte Februar. Ich starre immer wieder aus dem Fenster während ich dieses Schreibwerk verfasse.

Ich bin „ausgehungert“ und meine Gedanken kreisen um Strategien und wie wohl das neue Angeljahr werden würde.  Selbstverständlich steht schon seit Wochen das Tackle gewartet und geputzt einsatzbereit. Auch bei uns im Forum scheint die Reizschwelle nun etwas niedriger zu liegen, was ich unmittelbar auf diesen erbarmungslosen Winter zurückführe.

Dennoch ist für mich die kalte Jahreszeit, oder besser gesagt, die Zeit wo die  Gewässer zugefroren sind, kein unwichtiger Teil meines Angeljahres. Ich bringe jetzt meine Fallen nicht manuell aus, sondern mache mir intensivste Gedanken was ich an meiner Fischerei anders, und vor allem besser machen will.

boiliesunterwasser 31Mit den Jahren haben sich Prioritäten verschoben. Wo ich früher reihenweise Angelbücher und Fachmagazine verschlang und raffinierte Rigs nachbaute, ist es heute eher die Art meines Futters und der Lebensraum meiner Zielfische was mich beschäftigt. Und genau davon soll dieser Bericht handeln. Vielleicht enthält dieser Bericht den einen oder anderen Denkanstoß der Ihnen, werter Leser, einen persönlichen Mehrwert für Ihre Angelei bringt.

Viel zu oft wird meines Erachtens der Hauptprotagonist, der Karpfen, in den umfangreichen Planungen vergessen. Vielleicht sollte man sich einmal umgekehrt fragen: „Was ist aus der Sicht des Fisches wichtig?“  Sicherlich ist das: ausreichend Futter, Fortpflanzung und Gesundheit. Dinge welche auf seinen Grundinstinken basieren.

An nahezu jedem Gewässer wo geangelt werden darf, haben unsere Zielfische Boilies als eine natürliche Futterquelle akzeptiert, da sie diese Energieressource meist von Kindesalter an kennen. Boilies sind meines Erachtens perfekte Energie-, Fett- und Proteinlieferanten, wenn diese auf die entsprechenden Gegebenheiten abgestimmt sind.

Und da sind wir am Punkt: „Wenn diese auf die entsprechenden Gegebenheiten abgestimmt sind.“

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Wer macht sich beim Kauf von Fertigbaits Gedanken über die Auflösezeit, die Verdaubarkeit oder die Löslichkeit der Baits? Liebe Freunde, ich halte genau diese Faktoren für essenziell. Nicht ob die Kugel schön nach Erdbeere riecht, oder als Tönnchen geformt und herrlich bunt eingefärbt ist. Mit solchen Ködern wird wohl eher der Angler als der Fisch gefangen ….  Sicherlich wird man auch mir günstigen, ja nennen wir es beim Namen, minderwertigeren Baits den einen oder anderen Fisch fangen. Diese „Instand-Baits“ fangen manchmal schneller einen Fisch, da diese auch recht hoch dosiert geflavourt sind. Aber billiges schwer verdaubares Futter wird in weiterer Folge eher verschmäht. „Food-Baits“ die leicht für die Fische zu verdauen und schmackhaft sind, sind klar in Vorteil. Besonders wenn man längerfristig Plätze befüttert und kontinuierlich fangen möchte.

Wichtig ist, dass Futter „ehrlich“ hergestellt ist. Das soll heißen dass wirklich für den Fisch hochwertige Grundzutaten verwendet werden. Selbstverständlich ist es beim Kauf eines Fertigprodukts nicht immer einfach die Eigenschaften herauszufinden. Oft kann ebenso der Tackledealer nicht wissen wie angebotenes Futter aufgebaut ist und muss sich auf die Marketingaussagen der Firmen verlassen.

Wer wirklich Interesse an dem hat was er füttert und versucht dem Gewässer und der Jahreszeit angepasst, möglichst ideal abgestimmte Mahlzeiten zu servieren, wird über kurz oder lang erfolgreicher sein. Und dieser Punkt ist weitaus wichtiger als über ein kompliziertes Spezialrig nachzudenken.

Wenn Sie die Möglichkeit haben, oder besser gesagt jemanden kennen der Boilies produziert, fragen Sie doch einmal nach den Auflösezeiten oder dem Auswaschverhalten der boiliesunterwasser 23Baits. Sehr schnell werden sie herausfinden, ob sich der Produzent überhaupt mit solchen Dingen beschäftigt oder ob er nur gewinnmaximierte strukturlose „Gluttenbällchen“ erzeugt. Wobei ich aber der Fairness halber sagen muss, dass die Baitqualität  in den letzten 5-10Jahren durchschnittlich besser geworden ist.
Ein qualitätsbewußter Hersteller (z.B. Rollservice) zeigt Ihnen sicherlich gerne seine Rohstoffe die er verarbeitet und erklärt Ihnen die Einsatzbereiche seiner Produkte. Qualitätsfutter ist vielleicht etwas teurer, aber glaubt mir: „Besser weniger füttern, dafür aber Qualität, als minderwertiges Futter ins Wasser zu werfen.“

Wer die Möglichkeit hat und am Selbstrollen Spaß findet, sollte das tun. Wissen und nicht glauben ist die Devise! Es ist absolut fantastisch, was man mit der Zeit lernt. Irgendwann beginnt man zu verstehen und das „WARUM“ wird immer deutlicher erkennbar. Man beginnt mehr auf den Fisch, dessen Leben und Futterverwertung einzugehen, denn dass entscheidet letzten Endes ob man kontinuierlich oder nur sporadisch fängt.

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So versuche ich im Frühjahr und im Spätherbst, sprich bei kalten Wassertemperaturen verstärkt lösliche Stoffe einzusetzen und verzichte gänzlich auf Öl basierende Zutaten. Je

 kälter das Wasser ist umso schlechter lösen sich die einzelnen Stoffe. Öl zum Beispiel löst sich nahezu gar nicht bei Temperaturen unter 15°C und ist zudem für den Fisch schlecht verdaubar. Ich trachte immer, dass meine Baits nach cirka 24h komplett durchgewaschen sind. So bin ich sicher, dass der Boilie optimal arbeitete. Mehle die leicht löslich sind und die ich sehr gerne einsetze sind feine Fischproteine z.B. L030 oder sprühgetrocknete Lebermehle vom Rind oder Huhn. Mit diesen kombiniert oder höher dosiert eigenständig eingesetzt ist auch das Milchprotein Vitamealo für sehr gut. Zudem bekommt der Bait durch Vitamealo auch einen runden, cremigen Geschmack. 

boiliesunterwasser 29Ganz anders in der warmen Jahreszeit. Warmes Wasser löst generell Stoffe schneller. Das heißt, würde man mit einem auf kaltes Wasser abgestimmten Bait auch bei 25° Wassertemperatur angeln, so müsste man alle 6-8 Stunden den Hakenköder wechseln, weil dieser eigenständig von Haken zu fallen droht. Spricht dieser würde sich bei hohen Wassertemperaturen zu schnell auflösen. Kann man machen, aber nicht wirklich von Vorteil, da man 3x am Tag Unruhe durch das Auslegen auf den Spot bringt. Kreieren Sie einen Köder der arbeitet und 24 Stunden am Haar bleibt. Weiters verwende ich nun auch gerne hochwertige Öle wir zum Beispiel Lachsöl im Boilie. Bei der richtigen Wassertemperatur (über 15°C) kann man gerne 20ml pro Kilo Mix einsetzten. Öle bzw. Fette sind unter diesen Umständen  nicht nur gute Lockstoffe sondern auch für die Fische wertvoll. Die feinen hoch löslichen Mehle werden aber entsprechend reduziert, sodaß sder Boilie 24 Stunden oder mehr bei hohen Wassertemperaturen an Haar hält. Jetzt kommt den Bindern wie Reismehl, Maismehl, Sojamehl, Cassein oder Eggalbumine eine höheren Bedeutung zu. 

Als Beispiel möchte ich zwei Mixzusammenstellungen anführen, wo der Boilie von seiner Charakteristik her sehr ähnlich ist. Nur eben einmal für kühle Einsätze und einmal für wärmeres Wasser abgestimmt ist.Wassertemperatur angeln, so müsste man alle 6-8 Stunden den Hakenköder wechseln, weil dieser eigenständig von Haken zu fallen droht. Spricht dieser würde sich bei hohen Wassertemperaturen zu schnell auflösen. Kann man machen, aber nicht wirklich von Vorteil, da man 3x am Tag Unruhe durch das Auslegen 

Bei der Boilieherstellung wird immer probiert. Ob man nun seine ersten Versuche macht, oder schon Tonnen an Teigkügelchen produziert hat. Die „Probierphase“ endet nie. Immer wieder werden Rezepte verfeinert und Mixzusammenstellungen verändert. Es wird niemals den ultimativen Bait geben, der immer gleich gut fängt, aber man beginnt mehr und mehr zu verstehen, wann und warum bestimmte Zutaten erfolgreich sind.

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Meines Erachtens ist es absolut entscheidend ob Fische unsere Boilies überhaupt als Nahrung erkennen. Hier muß man aber differenzieren in welchem Gewässer man auf Karpfenjagd geht. In stärker beangelten Gewässern bzw. an Gewässern wo viel mit Boilies gefüttert wird,  sehen die Karpfen diese Art von Futter schon als natürliche Nahrung an, da sie praktisch mit der „Kugel“ als Nahrungsquelle aufgewachsen sind.

Eine ebenso wichtige Frage, die man sich stellen sollte, ist: „Wie ist das vermeintliche Fressverhalten der Karpfen in den verschiedenen Gewässern?“ Das ist vermutlich in einer 

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sehr stark beangelten Paylake anders als in dem privaten Baggersee, wo nur ab und an geangelt wird.

Paylakes (auf österreichisch auch Karpfenpuffs genannt): In solchen Gewässern ist es eher die Kunst den Fischen etwas Fressbares zu servieren, womit sie noch keine negativen Erfahrungen gemacht haben. Dort ist „anders“ zu angeln z. B.  ausgefallene Baits, unmögliche Spots, keine Standard-Riglängen oder etwas ganz Neues auszuprobieren der Bringer. Es kann durchaus sein, dass für eine gewisse Zeit ein vermeintlich minderwertigerer Köder mehr Erfolg bringt als ein für die Fische bekannter, mit schlechten Erfahrungen behafteter, hochwertiger Köder. Das ist eine Auswirkung eines negativen Dressureffektes. Hier gelten andere Gesetze. Aus diesem Grund können solche Gewässer durchaus eine anglerische Herausforderung darstellen. Wie zum Beispiel die vielen Pools im Mutterland des Karpfenangelns.

Bitte nicht zu verwechseln mit jenen Gewässern, die mit unzähligen Karpfen bzw. Fischen überbesetzt sind. Jedes Gewässer hat eine gewisse Menge an natürlicher Nahrung inne. Werden zu viele Fische eingesetzt ist für alle zu wenig natürliches Futter vorhanden. Die hungernden Kreaturen müssen das Futter der Angler fressen um zu überleben.  Über die Angelei an solchen Gewässern zu berichten halte  ich für überflüssig, denn um dort einen Fisch zu fangen, muß man nicht angeln können.

boiliesunterwasser 21Kommen wir aber zu normalen bzw. weitgehend intakten Lebensräumen. In natürlichen Gegebenheiten suchen Karpfen nach Signalen im Wasser, welche für Sie auf Nahrung hinweisen. Für mich sind leicht lösliche Eiweissverbindungen am wichtigsten. Leber- oder feine Fischproteine im Boilie die kontinuierlich aus dem Boilie gewaschen werden sind meines Erachtens der Schlüssel. Wenn zudem die Baits leicht geflavourt sind und zusätzliche Botenstoffe im Gewässer hinterlassen, so hat man gute Chancen, dass Karpfen Ihre Boilies ins Maul nehmen.

Einige Angler setzen sich mit den ph-Werten der zu beangelnden Gewässer und Boilies auseinander. Manche denken, dass dies ein essenzieller Faktor istboiliesunterwasser 27. Für mich als „nicht Chemiker“ ist dieses Gebiet zu speziell. Je nach Gewässergröße und Art kann dieser in verschiedenen Tiefen und an verschiedenen Stellen andere ph-Werte aufweisen. Das auch noch zu berücksichtigen erscheint mir einach zu viel des Guten. Ich denke, wenn man mit der wachsenden Erfahrung ein Gefühl entwickelt, so liegt man mit der Baitwahl meist richtig. So bin ich auch der Meinung, dass die löslichen Stoffe aus dem Bait eben eine gewisse ph-Wertveränderung am Futterplatz verursachen. Diese können Fische wahrnehmen und werden nach Fressbarem suchen. Mich aber auf wissenschaftlicher Basis mit ph-Wertgegebenheiten zu beschäftigen lehne ich für meine Angelei aus besagtem Grund ab.

boiliesunterwasser 8Diese erwähnten Aspekte haben mit dem Futter im direkten Sinne zu tun. Sprich man muß sich klar sein, dass sich unser Futter und Strategie maßgeblich auf unseren Fangerfolg auswirkt. Man sollte sich meiner Ansicht nach, einiger Maßen im Klaren sein ob und wie unser Futter im beangelten Gewässer wirkt. Wie unsere Baits im Wasser arbeiten.

Alles steht und fällt aber auch mit dem Wissen über das zu beangelnde Gewässer und dessen Einwohner. Es ist mitentscheidend zu wissen ob viele Weißfischarten, Amure oder gar große Krebskolonien vor kommen. Wir wollen Karpfen fangen! Das sollten wir immer im Fokus haben, sprich „Carp in Focus …“. Keine Brassen, Aiteln, Waller, Schleien usw. - nur Karpfen.

Futter welches auch viele andere Fischarten auf den Futterplatz lockt halte ich nur in einer Situation für gut. Wenn ich einen neuen Futterplatz aufbaue und dort noch nicht angle. Da können Weißfischschwärme fressen und wühlen. Nach einer gewissen Zeit werden sicher auch die Karpfen den Futterplatz bemerken, weil die Fresskollegen dort ständig zu Gange sind. Stelle ich fest, dass mittlerweile meine Zielfischart am Platz regelmäßig frisst, beginne ich zu angeln. Ab diesem Zeitpunkt füttere ich keine Partikel, Pellets, Groundbaits oder Feinfutter mehr. Jetzt will ich nur noch die Carps am Spot halten und diese auch fangen. Nun werden nur noch Boilies in verschiedenen Größen gefüttert.

Warum verschiedenen Boiliegrössen?

Boilies unterschiedlicher Größe benötigen unterschiedlich intensive „Ansaugstärken“ der Fische. So konditioniert man die Kollegen nicht auf eine gewisse Boiliegrösse und sie werden auch Ihr Rig unvorsichtiger aufnehmen. Haben sie nicht die Möglichkeit Plätze permanent unter Futter zu halten, so gibt es auch beim „Instandangeln“ 1-2 Dinge die man berücksichtigen sollte um eher Karpfenbisse zu bekommen. Klar, an Teichen oder Seen wo nur sehr wenige Weissfische drinnen sind, braucht man das nicht wirklich zu beachten. Da kann man dann auch seine Plätze mit Teigwolken und feinen Partikeln befüttern.

boiliesunterwasser 26Schlimm ist es nur, wenn man laufend Brassen oder Zwergwelse am Haken hat. Ist bekannt, dass es ein grosses Weißfischaufkommen gibt, so verzichte ich auf jede Art von Pellets, Teigen, Partikeln oder Staubfutter. Nur Boilies - von Anfang an. Auch süsse Bolies werden gern von Brasse, Aitel und Co. gefressen. Füttern Sie Carpbaits die vermeintlich von den anderen Fischen im See nicht so gerne genommenboiliesunterwasser 10 werden, jedoch die Karpfen ansprechen.


Alleine schon der Umstand, dass man am Spot eine oder z.B. mehrere Brassen fängt ist aufgrund der Scheuchwirkung negativ. Jeder Anbiss (Run), von welchem Fisch auch immer, verscheucht durch die plötzliche Hektik die anderen Fische. Jetzt fängt man eher die Brassen die beim Anbiss eventuell auch die fressenden Karpfen scheuchen. Und man muss auch die Montage wieder neu ausbringen. Das erzeugt wieder Unruhe und Scheuchwirkung. 100x besser ist es dagegen 3 Tage KEINEN Anbiss zu verzeichnen und dafür folgt dann ein Dauerton aus dem Piepser, als 10 Brassen zu fangen und zu blanken.

Es würde mich freuen, wenn ich mit der einen oder anderen Aussage zum Nachdenken angeregt habe. Sicherlich könnte man zu diesem Thema noch mehrere Seiten schreiben. Das würde den Rahmen hier jedoch sprengen. Sehr gerne lade ich Sie ein bei uns online zu diskutieren und zu plaudern auf: www.carphunter.at  - Partner von Carp in Focus
Zudem finden Sie Futter, Tips, Blogspot und Anregungen auf: www.carphunterco.comboiliesunterwasser 2

Vielen Dank fürs lesen!

Markus Rosenberger

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